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Was sind Achsensprünge und wie sind sie zu vermeiden?

Wenn man von Achsensprüngen spricht, muss zunächst einmal geklärt werden, was und wo diese Achse überhaupt ist. Wird vor der Kamera eine Geschichte erzählt, spricht man von einer Handlungsachse. Vorstellbar ist diese beispielsweise ala Nase lang zwischen zwei Personen: von einer Nase zur anderen Nase. Aber was genau darunter zu verstehen ist, erfahren Sie hier:

Die Handlungsachse

Unter einer Handlungsachse versteht man die imaginäre Verbindung zwischen zwei handelnden Personen oder zwischen einer Person zu einem Handlungsobjekt. Ein Beispiel: Eine Person beobachtet ein Auto. Dabei entstehen die Endpunkte beim Blickenden und beim Auto – eine Verbindung wird hergestellt. Durch diese Verbindung wird der Handlungsraum begrenzt. Damit werden die Kamerapositionen (Auf-, Normal-, Schräg- oder Untersicht) grundlegend festgelegt.

Verbot: keine Achsensprünge!

Dieses Verbot ist eine der grundlegendsten Regeln. Der Achsensprung ist verpönt, weil dabei die Seitenverhältnisse vertauscht werden: d.h. die Links-Rechts-Verhältnisse werden verdreht. Der Zuschauer könnte die Orientierung verlieren. Davon abgeleitet, besagt die Regel, dass die Kameras bei einem Standortwechsel immer auf derselben Seite der Handlungsachse stehen sollte.

Regelbruch: Achsensprung

Die eben erläuterte Regel des Achsensprungverbots darf man in Ausnahmefällen unter bestimmten Begründungen durchaus auch mal brechen. Ausnahmefälle können beispielsweise Bildaufnahmen einer Person sein, die eine geheimnisvolle, gefährliche oder anderweitig wichtige Handlung durchführen will und diese in Szene gesetzt werden soll. Damit kann beim Zuschauer mehr Spannung und Auflösung erreicht werden. Ein Beispiel: Im Dialog werden zwei sich gegenüberstehende Personen auf einer der Seiten der Handlungsachse gefilmt. Plötzlich zieht einer der beiden Personen auf der anderen Seite der Handlungsachse eine Waffe. Hier kann dieses Detail durch einen Achsensprung verdeutlicht werden.

Auch möglich sind Achsensprünge im Falle eines Master-Shots: Da dabei mehrere Personen über längere Zeit aus einer Perspektive gefilmt werden, können in Einzelaufnahmen durchaus auch Achsensprünge gewagt werden. Aber: mit Bedacht!

Achsenvielfalt

Etwas komplizierter wird es, wenn viele Personen in einem Raum bzw. in einer Szene involviert sind. Hier entstehen zahlreiche neue Handlungsachsen, die alle unter der besagten Regel auf einer der jeweils zwei Seiten der Achse gedreht werden sollten. Da kann man sehr leicht durcheinanderkommen. Daher empfiehlt sich, mit wenigen zu beginnen, sich darin zu üben und langsam die Anzahl der Personen in einer Szene zu steigern. Dabei werden Kamerapositionen und deren Lagepläne umso wichtiger. Ein guter Plan bedeutet einen besseren Film.

180-Grad-Regel

Diese Regel sichert konstante Bewegungsrichtungen. Das heißt, dass sich das Richtungssystem dann um 180 Grad drehen muss, sobald die Handlungsachse von einer Seite zur anderen Seite gewechselt wird. Kurz gesagt: Aus Rechts- werden Linksbewegungen und -orientierungen und anders herum. Das entspricht der Links-Rechts-Orientierung und ist unbedingt zu merken!

(evtl. Beispielbild)

30-Grad-Regel

Diese Regel fordert drei Aspekte:

Erstens, dass sich die Kameraposition von einem Bild zum nächsten um mindestens 30 Grad unterschieden muss, solange die Einstellung im gleichen Raum und mit gleichem Gegenstand beschäftigt. Zweitens, wenn die Handlungsachse dieselbe bleibt, sollte sich die aufeinanderfolgenden Blickwinkel um 30 Grad unterscheiden und Drittens: Das Nähern oder Entfernen vom Objekt oder der Figur sollte, im Falle einer Veränderung der Kameradistanz groß genug sein. Das heißt, es darf gern eine Einstellungsgröße übersprungen werden.

Tipp!

Buchempfehlungen

„Die richtige Einstellung“ von Steven D. Katz

„Grammatik der Filmsprache“ von Daniel Arijon